Zwischen Fledermäusen und Glühwürmchen…

…tuckern wir durch die Dämmerung auf dem Mekong.

Mit knapp sieben Jahren Verspätung sind Lena und Philip jetzt endlich in Vietnam angekommen, denn ursprünglich war dieses Land schon Teil unserer ersten Reiseroute und nur Lenas wachsender Bauch hielt uns damals davon ab 😉 Naja, dieses Mal haben wir dann den in der Zwischenzeit etwas größer gewordenen Benni trotzdem mitgenommen – und die kleine blonde Prinzessin Lene augenscheinlich auch, und wir erleben weiter zu Viert das mannigfaltige Südostasien. Trotz der landschaftlichen und klimatischen Ähnlichkeit der Regionen hier spürt man dennoch hinter den Grenzübergängen umgehend auch die unübersehbaren Unterschiede zwischen den Ländern. So fällt uns in Vietnam – neben den allgegenwärtigen Motorrollern – vor allem eine gewisse Reserviertheit der Menschen ins Auge. Diese wird sicher durch die hierzu gegensätzliche Erinnerung an Kambodscha mit seiner frischen Freundlichkeit verstärkt und wir spüren nach nun einer Woche im Land und ersten Begegnungen in dörflicher Umgebung, dass dies keineswegs fehlende Herzlichkeit ist. Vielmehr scheint das ganze Land mit sich selbst beschäftigt zu sein, was manchmal beinahe etwas europäisch anmutet und uns verstört. Jeder tut hier immer irgendwas und in dieser Geschäftigkeit erkennt man vielleicht auch etwas vom spürbaren Wirtschaftswachstum, dass das Land – immer noch eine sozialistische Republik – ergriffen hat und in vielen Dingen sieht man auch, dass Vietnam in der Moderne anzukommen begonnen hat. So überrascht uns zum Beispiel das öffentliche Verkehrswesen. Im Gegensatz zu Berichten selbst neuerer Reiseführer ist das Fahren mit öffentlichen Bussen sowohl in Städten als auch auf dem Land für uns bislang verhältnismäßig unproblematisch möglich und wenn es Probleme gibt, dann sind diese lediglich sprachlicher Natur, denn noch viel verstörender als irgendeine Reserviertheit sind für uns die schlichtweg fehlenden Englischkenntnisse großer Teile der Bevölkerung selbst in den jüngeren Altersschichten. Schon die einfache Frage nach einem “bus” und einem dazugehörigen “bus stop” erzeugt oft bloß ungläubiges Kopf- oder Handschütteln und wir versuchen uns – immer öfter auch mit Erfolg – an der richtigen Betonung des vietnamesischen Begriffs für Bus “xe buyt”. Naja, bislang sind wir immer irgendwie zu irgendeinem Bus gekommen und diese haben uns immer auch relativ komfortabel durch die liebliche Landschaft und über die tausend Brücken des Deltas zum Zielort gebracht. Die Musik in diesen Bussen ist dann auch ein weiteres Zeichen der unaufhaltsam näher kommenden Moderne, kein Anzeichen der sonst so beliebten Karaoke-Shows, sondern die lautstarke Beschallung mit Coverversionen “großer imperialistischer” Musikhelden. So haben wir gestern u.a. eine mehr oder weniger schlechte Version eines kompletten “Modern Talking”-Albums über uns ergehen lassen! Wahnsinn!
Ein weiterer, sofort ins Auge stechende Unterschied zu den Nachbarländern sind die gleichmäßig übers Land verteilten Denkmäler sozialistischer Errungenschaften und architektonischen Meisterwerke öffentlicher Gebäude, die uns so noch nicht einmal auf den verwaisten und verfallenden Kolchosen im Baltikum so aufgefallen sind. Aber hier im asiatischen Pragmatismus sind auch diese in direkter Nachbarschaft zu aktiven buddhistischen Klöstern oder gepflegt schlichten christlichen Kirchen aus der französischen Kolonialzeit platziert – was ihre ausgefallene Architektur und Kunstform bloß noch zu verstärken scheint.
Neben unseren idyllischen Erlebnissen auf kleinen Mekongkanälen und in Provinzstädtchen der Region haben wir aber auch schon wieder einige Tage Großstadt hinter uns. Saigon – wir bleiben bei dieser Schreibweise – ist eine durch und durch dynamisch aufstrebende Metropole, die wir einstimmig als Mix aus Delhi und Phnom Penh bezeichnen können, allzu oft schon mit einem bißchen mehr Delhi – besonders wenn man sich mal wieder vor einem in knapp unter Schallgeschwindigkeit vorbei flitzenden Motorroller in Sicherheit bringen muss. Wir haben die Stadt dennoch genossen, waren ausgiebig shoppen (Bennis Fussballtrikotsammlung ist um ein Exemplar gewachsen), haben getrost darauf verzichtet ein motorisiertes Gefährt zu mieten und uns dem öffentlichen Nahverkehr anvertraut. Um der stickigen Mittagshitze zu entgehen haben wir die wunderbare Entdeckung eines öffentlichen Schwimmbades mit etlichen Wasserrutschen und vielen interessierten Blicken Einheimischer bei soviel weisser Haut gemacht. Denn trotz nun monatelanger Anstrengung unsrerseits bleibt das Ergebnis unserer Bräunungsversuche lediglich ein dunkles weiss – verglichen mit den hier Geborenen. Ben und Marlene waren dennoch hellauf begeistert, probierten alle Attraktionen aus und fühlten sich bald wie zu Hause. Als Belohnung hierfür durften die Eltern dann am Nachmittag auch noch ein paar chinesische Pagoden (eigentlich nur ein anderes Wort für Tempel um Kinder abzulenken) in Saigons “chinatown” besichtigen und so kam jeder auf seine Kosten.

Ganz nebenbei – und ohne das es in diesem Tagebuch bisher Erwähnung gefunden hätte – haben wir während der vergangenen Monate parallel auch immer wieder eine meist virtuelle Reise durch die verschiedenen Job- und Wohnangebote unterschiedlicher deutscher Städte unternommen. Leiten lassen haben wir uns hierbei – ähnlich wie auf der wirklichen Reise – v.a. von unserer Lust auf und unserem Interesse an den entsprechenden Orten. Und so folgte auf die ersten Bewerbungsschreiben im März ein skype-Bewerbungsgespräch aus Pokhara und die Entscheidung für einen Ort noch in Nepal Anfang Mai. Seitdem haben wir nun – nicht ohne Rückschläge – mit tatkräftiger Unterstützung von Onkel Fabian und Oma Kronshagen nach geeignetem Wohnraum in besagtem Ort gesucht. Den bisherigen Abschluss unserer Bemühungen stellen nun die schriftliche Jobzusage des Ernst-von-Bergmann-Klinikums sowie die erfolgreiche Unterzeichnung eines Mietvertrages für ein Reihenhaus in Potsdam dar! Brandenburgs Landeshauptstadt hat den Zuschlag bekommen, unser neuer Wohnort zu werden, und Philip wird sich in der Kardiologie des dortigen Klinikums versuchen.
So, nun bleibt als letztes Geheimnis nur noch die Frage nach dem weiteren Verlauf unserer Route während der letzten gut vier Wochen. Dies liegt aber selbst für uns noch im Verborgenen, jetzt gehts erstmal wieder ans Meer und mit der wachsenden Vorfreude auf das neue zu Hause ist es gut möglich, dass wir den Rest der Zeit dort bleiben werden.
Die Reise geht ja aber vorerst weiter und wir freuen uns drauf…
Auf bald
dieSteens

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