Staunen…

Ja ja, wir schreiben vom Ende der Welt. Aber auch hier kehrt die Moderne unaufhaltsam ein und ich kann von unserem Zimmer in Jomsom aus einen online-Tagebucheintrag verfassen… Verrückt! Und auch für alle, die schonmal hier waren (z.B. 1977), es erinnert in der Tat wahrscheinlich nur eine einzige Sache noch an damals: die sagenhafte, jedem Versuch sie in Worte zu fassen trotzende Landschaft! Wir sind jetzt eine Woche hier unterwegs und kommen noch immer nicht aus dem Staunen heraus. Die karge Landschaft, die gigantischen und so nahen Gipfel, die Klarheit der Luft und – ja doch auch – die Abgeschiedenheit und Idylle vereinzelter Örtchen sind ein wunderbares Erlebnis. Es ist auch hier nun schwer, dem allgegenwärtigen Touristenrummel zu entgehen, Busse verbinden die Dörfer miteinander und Jeeps karren täglich hunderte Hindus den steilen Weg nach Muktinath rauf, aber abseits der Strasse und der großen Touristenumschlagsorte stoßen wir auf wundervolle Orte, Menschen und Abenteuer: Kagbeni z.B. wird trotz eines Kaffeehauses mit italienischem Markenespresso als ein recht idyllisch und unberührt wirkender Ort an einem der schönsten Plätze der Welt in Erinnerung bleiben. Von unserem Zimmer aus konnten wir den Thorung La-Pass, die Nilgirigipfel und ins Upper Mustang-Tal sehen und dank eines Tipps unserer liebenswerten Gästehaus-Chefin konnten wir einen Tagesausflug nach Tiri in Upper Mustang machen. Aber auch Muktinath und seine Tempel haben wir denn doch nicht ausgespart, statt einer unbequemen Jeepfahrt durften Ben und Marlene allerdings den Pfad bergauf von Kagbeni auf dem Rücken des freundlichsten und geruhsamsten Pferdes im ganzen Himalaya erklimmen und wir beiden Anderen tragen weiterhin nicht ohne fröhlichen Stolz all unsere Habseligkeiten selbst und überall hin..

Das Treiben am Tempel war dann für uns säkular geprägte Europäer mal wieder mehr aus der Kategorie interessant zu bestaunende kulturelle Fremdheit aber die Tatsache, dass die Inder nicht bloß unsere blonden Kleinen sondern nun auch noch unser Pferd fotografieren wollten, löste kaum mehr als ein kurzes Achselzucken aus. Eine unserer liebsten Beschäftigungen in Kagbeni und Muktinath bestand im Suchen und Sammeln von Versteinerungen, die man mit dem entsprechenden kindlichen Ehrgeiz dort überall finden kann. Die beiden “Erwachsenen” waren hierbei mit kaum weniger Begeisterung und Staunen dabei. Auf den Spuren Charles Darwins kam auch eine ganz ansehnliche Sammlung fossiler Meeresbewohner zusammen – in gut 3000m Höhe wohlgemerkt – und Papa trägt seitdem einige 100g mehr im Rucksack, wir alle aber etwas mehr greifbares Verständnis über die Entstehung der Welt mit uns.
Wir staunen weiter…
dieSteens

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