oh, it’s oh so british – pardon welsh…

Nach einem guten halben Jahr haben wir uns soweit eingelebt, dass es nicht ausgeblieben ist, auch schon über die ein oder andere landes- bzw. volkstypische Eigenheit zu stoßen, die wir uns nicht zurückhalten können oder wollen mit Euch zu teilen…

Hier ein erster Anfang, unserer schon jetzt schier endlosen Liste 🙂

roundabouts:

Man kennt ja auch aus Deutschland die Vorteile einer ampellosen Verkehrssteuerung mittels Kreisverkehren, die auch in den letzten Jahren und spätestens seit Einführung einer EU-weiten Förderung solcher Infrastrukturmaßnahmen durchaus zum alltäglichen Straßenbild gehören. Über die Menge und Vielfalt der roundabouts auf der britischen Insel waren wir aber dann doch etwas überrascht – man hat mancherorts gar den Eindruck, dass kaum eine Straßenkreuzung ohne den Zwang auskommt, eine mehr oder minder große zentrale Verkehrsinsel im Uhrzeigersinn umrunden zu müssen. Buddismusaffine Menschen mögen sich hier an das Passieren tibetischer Gebetsmühlen erinnert fühlen und dank Linksverkehr ist sogar die Bewegungsrichtung authentisch. Aber während Gebetsmühlen einen tieferen religiösen Zweck erfüllen, scheint es beim Bau vieler roundabouts mehr um die Erfüllung eines Selbstzweckes gegangen zu sein. Schließlich kann es durchaus vorkommen, dass das Befahren einer Landstraße auf Höhe der Kreuzung mit einem mehr oder minder befestigten Feldweg durch einen Kreisverkehr geregelt wird; und wenn nun das Einfahren in diesen Feldweg auch lediglich Landwirtschaftsfahrzeugen vorbehalten ist, kann sich Jeder den funktionellen Aspekt dieser Verkehrsgebetsmühle sicher gut vorstellen. Etwas absurder wird es aber spätestens, wenn der Verkehr auf mehrspurigen Straßen mittels Kreisverkehr und zusätzlich mehrdimensionaler Ampelanlagen (…beim Einfahren und beim Durchfahren) organisiert wird – dann bedarf es oft eines ordentlichen Maßes britischer Gelassenheit (siehe eigene Eigenheit später 🙂 ), um soviel Regulierung hinzunehmen. Und auch die Komplexität mancher Kreisverkehre, die einige Straßenbauer erschaffen, führt bei uns oft zu einer Mischung aus Be- und Verwunderung und hat in Kombination mit einem an solchen Stellen mitunter selbst verwirrt wirkenden Navigationsgerät schon zu mehr als einer Gebetsmühlen-“Straf”runde geführt. Hier ein paar Beispiele (copyright der screenshots by Apple-Karten und TomTom):

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Von Anfang März sei hier noch eine kleine Begebenheit berichtet: Als wir nach Cardiff zogen, haben uns Alle versichert, dass das Wetter zwar maritim aber insgesamt viel milder sein würde. Nach längerem Hin und Her haben wir uns beim Packen der Sachen dann auch dagegen entschieden unsere gute bestückte Kinderwinterausrüstung mit umziehen zu lassen – “it snows only every five or so years…”. Nun war es insgesamt bereits ein ausgesprochen unmilder Winter und für den Februar/März-Wechsel war nun sogar nochmal Schnee vorausgesagt – und vielleicht hätten wir fragen sollen, wie lange der letzte Schnee her war… Und dann schneite es tatsächlich – für knapp sechs Stunden über Nacht und immerhin 15-20 cm. Dies war aber genug, dass das öffentliche Leben nicht nur mehr oder minder sondern vollends zum Erliegen kam.

Warum schaffen es diese aussergewöhlichen Umstände aber nun in den Beitrag über Klischees und Eigenheiten? An diesen Tagen wurde uns nämlich bewusst, wie sehr wir uns schon an die hier so selbstverständliche Tatsache gewöhnt hatten, an jedem Tag der Woche, mehr oder weniger zu jeder Uhrzeit Lebensmittel und dringend Benötigstes käuflich erwerben zu können. Als wir Samstag nachmittag versuchten, unseren Kühlschrank aufzufüllen, bot sich uns folgendes Bild…

leere Regale

😮 – und es dauerte – kein Witz – knapp eine Woche bis wieder Milch in den Regalen war

Ja, das Wochenende und gesetzlich geregelte Ladenschlusszeiten werden eben nicht überall so hoch geschätzt wie in Germanien – und Alltagsunachtsamkeit lässt einen allzu schnell in die Bequemlichkeit verfallen, Einkäufe nicht mehr zu planen. Naja, mittlerweile sind alle Regale wieder gefüllt und auch an diesem Tag kamen wir dank umfunktionierter Strandausrüstung und mit ein paar Litern Mandelmilch sicher und versorgt wieder zu Hause an.

IMG_2597

Soviel erstmal an dieser Stelle. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir hier weitere Besonderheiten der “Inselkultur” mit Euch teilen, hierbei wird es u.a. um die uns zutiefst beeindruckende britische Gelassenheit und die allzu oft damit verbunden scheinende Verhaltensregel “rule over reason” gehen. Ausserdem sind die Briten Weltmeister im Erfinden skuriler Feiertage… Aber hierzu bald mehr…

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