Wales – eine verspätete Einleitung…

Jetzt leben wir bereits sechs Monate in Wales und da die Entfernung zu unseren Familien und “alten” Freunden ähnlich ist wie bei unseren vorangegangenen Reisen – es ist einfach zu weit, sich mal eben zum Frühstück  am Wochenende oder auf einen Kaffee am Nachmittag zu treffen – hatten wir eigentlich von vornherein vor, unsere Erlebnisse und Erfahrungen wieder in unserem Reisetagebuch festzuhalten und so Alle, die es wünschen, daran teilhaben zu lassen. Wenn aber zwischen Auszug in Deutschland, Umzug nach Wales und neuem Arbeitsbeginn nur gut zwei Wochen liegen, im Anschluss die Kinder in neue Schulen “eingewöhnt” werden dürfen und man die verbleibende freie Zeit eben frei und draußen auf Entdeckungstour verbringen möchte, dann gehen solche “Schreibtischvorhaben” schnell unter. Nachdem nun die erste Aufregung verflogen ist, die ersten Besucher das neue Heim gesehen und bestaunt haben und wir Halbzeit unseres anfangs auf mindestens ein Jahr angelegten Wales-Abenteuer feiern, möchten wir dies nachholen und nachträglich von verschiedenen Alltags- und Entdeckungserlebnissen erzählen und Euch ab jetzt über unsere weiteren Erfahrungen auf dem Laufenden halten.

Anfangen wollen wir damit, den beiden Fragen nachzugehen, die uns sowohl in  Deutschland als auch hier in Wales am Häufigsten gestellt werden:

  1. Warum wollt(et) Ihr ins Ausland ziehen?
  2. Warum ausgerechnet nach Wales?

Die erste Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Weil wir das eben wollen! Oder, wie es unsere beiden Großen vermutlich sagen würden “Just because, …!” oder “Weil halt!”

Und tatsächlich war der Wunsch, einmal eine zeitlang im Ausland zu wohnen schon 2011 in Asien präsent und war auch einer der Beweggründe, dass wir Ben und Marlene von Beginn an auf eine englischsprachige Schule geschickt haben. In Potsdam ist dieser Wunsch dann einige Jahre etwas in den Hintergrund getreten, hat aber spätestens seit Ende 2016 wieder lauter in unseren Köpfen gerufen. Schlussendlich überzeugt hat uns dann eine einfache Rechenargumentation unseres Größten: “Mama, jetzt ist es an der Zeit ins Ausland zu ziehen! Ich hab jetzt elf Jahre meines Lebens in Deutschland gewohnt, das reicht. Jetzt müssen wir mal woanders hin!” “Aber Ben, Du bist schon zwölf, warum denn nur elf Jahre?” “Na, wir waren sechs Monate in Asien plus die ganzen Urlaube. Da habe ich ein Jahr abgezogen!” So, und die Entscheidung war gefallen.

Und die zweite Frage stellt sich genaugenommen gar nicht – zumindest dann nicht, wenn man schon mal in Wales war, so wie wir im Sommer 2016. Während dieses total verregneten Campingurlaubs im Norden und Westen dieses verwunschenen Landstriches hat es uns Wales derart angetan, dass uns die Entscheidung am Ende alles andere als schwer gefallen ist.

Mannschaftsfoto am Schloss Harlech

fast die ganze Mannschaft auf Schloss Harlech im Nordwesten Wales’ im Sommer 2016

Dennoch spielten ein paar andere Überlegungen ebenfalls eine Rolle: Uns war klar, dass wir auch im Ausland irgendwie Geld verdienen würden müssen und da Philip mehr noch als Lena ausschließlich Englisch auf Berufsniveau vorweisen konnte, war schnell klar, dass es ein englischsprachiges Land werden müsste. Die USA und Kanada schieden aufgrund quasi unüberbrückbarer administrativer Hürden bei der Zulassung (USMLE) aus und nach kurzer Überlegung waren auch Australien und Neuseeland aufgrund der doch sehr großen Distanz und dem damit verbundenen Aufwand eines Umzuges als eher unwahrscheinlich abgestempelt worden (obwohl sich Philip zwischenzeitlich tatsächlich auch über einen konkreten Job in Neuseeland informiert hatte). Mit Südafrika verbinden wir nicht soviel und die politische/kulturelle Lage hat uns für einen Umzug mit “Groß”familie eher abgeschreckt. Damit blieb neben Malta und Gibraltar defacto nur noch das Vereinigte Königreich übrig und da uns neben Wales zuvor schon Schottland und London durchaus gefallen hatten, konnten wir uns mit der Idee alle gut anfreunden. Nach ein paar Gesprächen mit Bekannten, die diesen Schritt schon hinter sich hatten und nach einigen Wochen auf einschlägigen Portalen für Jobs im NHS fiel uns eine ausgeschriebene Stelle in Cardiff ins Auge. Wales war eigentlich etwas weit weg von unserem anfangs anvisierten Gebiet in und um London und Südostengland, aber irgendwie blieb das Auge dennoch auf der Ausschreibung hängen, die dann auch noch beruflich überraschend gut zu passen schien. Ein paar emails und eine offizielle Bewerbung später (das Ausfüllen endloser Reihen mehr oder weniger sinngebender Formularfelder im offiziellen NHS-Bewerbungsportal inklusive) hatte Philip ein Bewerbungsgespräch Anfang April in der Tasche. Und da dieses sehr positiv verlief, sich auch die Stadt in bestem Frühlingskleid präsentierte (s. Fotobeweis) und auch nach einer weiteren Bedenkzeit niemand etwas einzuwenden hatte, fiel die Entscheidung Ende April, dass wir den Schritt wagen würden… Deshalb also Cardiff!

Magnolienblüte Butepark - Cardiff

Magnolien in voller Blüte im Butepark am Tag des Bewerbungsgesprächs im April 2017 – und das Wetter…

Mit der Entscheidung für Cardiff begann dann ein nicht unerwarteter Behördenmarathon, um in möglichst kurzer Zeit Job und Leben in Deutschland abzuwickeln, eine Arbeitserlaubnis in Großbritannien zu ergattern und eine neue Bleibe in Cardiff zu finden…

Dies näher zu beschreiben, würde den Rahmen dieser “verspäteten Einleitung” sprengen, wir haben aber hier für Interessierte eine kurze Zusammenfassung geschrieben, worauf aus unserer Sicht bei einer Registrierung beim GMC (General Medical Council) in Großbritannien zu achten ist und wo mögliche Hürden und Fallstricke liegen könnten – all das kann man sicher aktueller auch auf der – leider nicht immer übersichtlichen – website des GMC selbst nachlesen und mag in naher Zukunft unabsehbaren Veränderungen (#BREXIT) unterworfen sein.

Eine bebilderte Kurzzusammenfassung unseres, wie sollte es auch anders sein, chaotischen Umzugs von Potsdam nach Cardiff ist in Vorbereitung und wir werden Euch bald über unsere ersten Alltags- und Ausflugserfahrungen berichten und damit der Tradition dieses Reisetagebuches wieder näher kommen…

Und zögert nicht, uns bei Fragen und Anregungen direkt zu kontaktieren.

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